Patronat: Tauberbischofsheim
Lioba wurde um 710 in Wessex (England) geboren und entstammte einer wohlhabenden angelsächsischen Familie. Ihr eigentlicher Nama Truthgeb (althochdeutsch »Gottesgabe«) wurde bald durch den Kosenamen Lioba ersetzt. Der Überlieferung zufolge hatte ihre Mutter Aebbe lange vergeblich auf ein Kind gehofft, bis sie eines Tages träumte, dass eine Kirchenglocke auf ihrem Schoß zu läuten begann. Als sie nun schwanger wurde, beschloss sie, dem Kind eine christliche Erziehung angedeihen zu lassen.
Lioba wurde im Benediktinerinnenkloster Wimborne unterrichtet und lebte anschließend lange Zeit in Klöstern von Kent und Minster. Von Bonifatius (Heiliger), einem Verwandten, wurde die vielseitig gebildete Lioba 738 nach Germanien gerufen, um ihn bei seiner Missionsarbeit zu unterstützen. Sie wurde mit der Leitung des Frauenklosters Tauberbischofsheim betraut, an dem sie als Äbstissin für die Erziehung von jungen Frauen aus vornehmen Familien verantwortlich war. Lioba gründete auch weitere Klöster in Kitzingen und Ochsenfurt und sorgte für die Festigung der Ordensregeln der Benediktinerinnen.
Welch besondere Persönlichkeit Lioba gewesen sein muss, zeigt sich daran, dass es ihr als einziger Frau gestattet war, im Mönchskloster von Fulda (wo der Heilige Bonifatius bestattet war) ihre Gebete zu verrichten. Auch weltliche Herrscher schätzten Liobas Klugheit; am Hof Pippins d. Jüngeren war sie gern gesehener Gast, und mit Hildegard, der Ehefrau von Karl dem Großen, verband die Benediktinerin eine tiefe Freundschaft.
Im Alter zog sich Lioba auf ein Gut in Schornsheim bei Mainz, das ihr Karl der Große geschenkt hatte, zurück. Dort verstarb sie an einem 28. September, vermutlich im Jahre 782. Lioba wurde in Fulda neben dem Heiligen Bonifatius (auf dessen ausdrücklichen Wunsch hin) beigesetzt. 838 ließ Rhabanus Maurus (Heiliger), Abt des Klosters Fulda, ihre Gebeine in die Krypta der Frauenklosterkirche auf dem Petersberg bei Fulda bringen. An ihrem Grab sollen Menschen spontan genesen sein, und gläubige Frauen pflegten ihre kranken Kinder an ihren Sarkophag zu bringen, um Heilung für sie zu erbitten. Der Legende nach ließ Lioba einmal durch die Kraft ihrer Gebete ein schreckliches Unwetter rasch vorbeiziehen.
Die Lebensgeschichte Liobas wurde etwa 50 Jahre nach ihrem Ableben von dem Mönch Rudolf von Fulda verfasst, der sie als außergewöhnliche Frau von großer Weisheit und durchdrungen von Nächstenliebe und Gottesfurcht darstellt. Er berief sich u. a. auf Gespräche mit ehemaligen Schülerinnen Liobas. Dass man Rudolf Urkundenfälschung nachgewiesen hatte, soll seine Leistung nicht schmälern; denn ohne seine »Vita Leoba« wäre die Erinnerung an die Äbtissin womöglich verblasst.
Darstellung: im schwarzen Habit der Benediktinerinnen, von Blitzen umgeben
Attribute: Buch, Glocke, Krummstab (Symbol der Äbtissinnenwürde)

Quelle: Herder-Verlag
