Pfarrkirche
Zur Geschichte unserer Kirche:
Unser Gotteshaus hatte mehrere Vorgängerkirchen. Die letzte, frühbarocke Kirche von 1642/43 erwies sich hundert Jahre später als zu klein. Deshalb ergriff der vielseitig begabte und kunstsinnige Pfarrer Severus bereits bei der Übernahme der Pfarrei 1746 die Initiative zu einem Neubau. Er beauftragte den in Diensten des Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn in Würzburg stehenden Architekten und Ingenieurhauptmann Michael Anton Müller (1693-1772) mit der Erstellung der Baupläne. Dieser entlehnte den Plan für unsere Kirche seinem Meister Balthasar Neumann, der 20 Jahre früher diese Pläne für die Paulinus-Kirche in Trier erstellte.
Wegen der besseren Ansicht aber auch wegen der vom Berghang drückenden Quellwasser wurde die Kirche in Nord-Südrichtung ausgerichtet. Durch den in der Mitte vorgeschobenen Turm erscheint die Fassade 3-teilig. Typisch für das Barock sind die sich aufrollenden Voluten zum oberen Stockwerk des Turmes hin, das die vier Glocken und nach außen die Uhr trägt. Über dem Turmmauerwerk erhebt sich die in ihrer Form einzigartige Zwiebel, die sich in mehrfacher Form verjüngend in Kreuz und Wetterhahn ausläuft.
Das Kircheninnere überrascht durch die Harmonie aller Teile, den gewaltigen hellen Raum, der von keinen Säulen beengt ist und freien Blick gewährt in den Altarraum, auf den Zelebrationsaltar und Hochaltar. Über dem Tabernakel, der von zwei großen Engeln flankiert ist, erhebt sich das 6 m hohe Bild unseres zweiten Kirchenpatrons, das den Martyrertod des hl. Johannes von Nepomuk in der Moldau darstellt. Wegen dauernder Hochwassergefahr wird er auch als Brückenheiliger in unserem Ort besonders verehrt (21. Juni 1984 !). Neben der Bewahrung des Beichtgeheimnisses verteidigte er insbesondere die Rechte der Kirche gegenüber König Wenzel in Prag.
Das gut gelungene Bild wurde von dem Frankfurter Künstler Johann Georg Schulz 1764 gefertigt.
Wir sehen, wie der Martyrer von den Schergen des Königs Wenzel über die Karlsbrücke in die Moldau gestürzt wird. Im Hintergrund links ist die Prager Burg zu erkennen.
Der Altaroberbau wird von sechs mächtigen Säulen mit korinthischem Kapitel getragen und ist mit barocken Voluten und kleinen Puten ausgeschmückt. In seiner Mitte steht die große Statue des hl. Martin, des 1. Kirchenpatrons, der auf einem Pferde sitzend seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Darunter befindet sich in einem barocken Goldrahmen eine lateinische Inschrift, die übersetzt lautet: Dieser Altar, dem hl. Martinus und Johannes geweiht, ist täglich privilegiert (mit Ablässen verbunden). Das darin enthaltene Chronogramm ergibt die Jahreszahl 1766. Die feierliche Konsekration der Altäre und der Kirche wurde am 14. September 1766 durch den Mainzer Weihbischof Nebel vollzogen.
Zwischen den Säulen stehen auf der linken Seite des Bildes die überlebensgroßen Figuren des hl. Johannes des Täufers und des hl. Petrus, auf der rechten Seite die des hl. Paulus und des hl. Josef.
Im Chor über dem Eingang zur Sakristei hängt ein großes, beeindruckendes Holzkreuz. Es war früher in der Haygerkapelle und dürfte um 1480 entstanden sein.
An den beiden Nebenaltären stehen in gleicher Art geschaffene, etwas kleinere, lebensgroße Figuren wie am Hochaltar. Zur Linken des Marienbildes sehen wir die hl. Magdalena mit dem Salbgefäß (sie war eine Schwester des Lazarus und der Martha, salbte dem Herrn die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren ab, sie gilt aber auch als große Büßerin, siehe Bild über dem Beichtstuhl), rechts die hl.Barbara mit Schwert und Kelch. Der Kelch, den die Heilige trägt, weist auf die Stärkung hin, die ihr durch den Glauben zuteil wird. Sie gilt als Schutzpatronin der Bergleute.
Das Gemälde am Marienaltar stammt aus neuerer Zeit. Es wurde 1873 von dem Würzburger Historienmaler Andreas Leimpach gemalt und stellt Maria dar, ihr Haupt von 12 Sternen bekränzt und sie selbst von Engeln getragen.
Am Georgsaltar stehen links des Altarbildes der hl. Nikolaus, Bischof von Myra. Er wird in bischöflicher Kleidung dargestellt, ein Buch tragend mit drei goldenen Kugeln darauf, rechts davon der hl. Sebastian, an einen Baum gebunden und von Pfeilen durchbohrt (als Soldat erlitt er den Martyrertod unter Kaiser Diokletian und wurde in der Kirche San Sebastiano in Rom bei den Katakomben an der via appia 367 begraben).
Das Altarbild mit der Darstellung des hl. Georg als Drachentöter wurde nach den Feststellungen des Restaurators bei der letzten Kirchenrenovation von Josef Gru gemalt.
Die Kanzel mit ihren reichen Verzierungen ist ein Meisterstück des Rokoko, 1756 von dem Bildhauer Herwith aus Karlstadt gefertigt.
Gegenüber ist eine Kreuzigungsgruppe mit den lebensgroßen Figuren der Muttergottes und des hl. Johannes in edlem, feinen Barock, um 1770 entstanden. Weiter finden wir an den Seitenwänden verschiedene Heiligenfiguren und die Stationsbilder des Kreuzweges.
Wenn wir zur weit gespannten Decke hinaufschauen, erkennen wir ausgezeichneten Stuckzierrat, der die einzelnen Gemälde umschließt. Er wurde von dem Stukkateur Michael Winneberger aus Mergentheim ausgeführt.
Das große Deckengemälde im Langhaus stellt die Anbetung der Heiligen Drei Könige dar.
Auf einem großen Quaderstein steht der Name des Künstlers, Georg Anton Urlaub, gemalt 1756.
Urlaub entstammt einer angesehenen Malerfamilie in Thüngersheim und hat auch nach einer akademischen Ausbildung in Wien und Bologna unter seinem Meister und Vorbild Tiepolo bei der Ausmalung der Residenz in Würzburg mitgewirkt. Die Gemälde unserer Pfarrkirche zählen zu den späten, aber auch gereifteren Arbeiten des Künstlers, der bereits 1759 im Alter von 45 Jahren gestorben ist.
Bei dem Thema der Anbetung der hl. Drei Könige konnte Urlaub auf eine frühere Arbeit in Eyershausen zurückgreifen. Die Ausführung erfolgte gegenüber dieser jedoch seitenverkehrt und das Bild ist viel ausgefüllter und auch besser gelungen als in der dortigen Version.
Auf einer Schaubühne von Quadersteinen sitzt Maria mit dem Kinde, dem die Könige mit ihrem Gefolge huldigen. Josef, als dunklere Gestalt etwas im Hintergrund stehend, hält ein helles Tuch auf seinem Arm, das dadurch als Blickfang wirkt. Im Vordergrund, dürften Menschen aus seiner Zeit zu sehen sein. Ein Mann (der Künstler ?) über einen Quaderstein gebeugt, erweckt den Eindruck, als ob er etwas suchen würde. Rechts davon eine normale Familie; die Mutter mit ihrem Kind schaut flehend zur hl. Familie auf und bildet ein Gegenstück zu ihr.
Links im Hintergrund auf der sehr hohen Mauer sehen wir viele Menschen herbei kommen. Es ist das Heidenvolk, dem sich der Erlöser offenbaren will.
Durch den jungen Mann, der an der aufragenden Säule gerade noch Halt findet, wird das Bild belebt.
Die Säule selbst wie auch die Linienführung der Mauer und des Quadersteines verleihen dem Gesamtbild eine illusionistische Raumwirkung.
Neun kleinere Gemälde in sog. Kartuschen umgeben das große ovale Mittelbild. Sie sind aus dem Leben Jesu genommen und sollen zum Teil belehren.
Die 9 kleinen Fresken um das Mittelbild stellen dar:
1 rechts: Darstellung Jesu im Tempel oder Fest der Beschneidung des Herrn oder auch Zeugnis des Simeon und der Hanna über Jesus (Lk 2,21-40)
2 rechts: Die hl. Familie in der Werkstatt
3 rechts: Die Versuchung Jesu in der Wüste (Mt 4,1-11; Mk 1,12f; Lk 4,1-13)
4 rechts: Die Tempelreinigung oder Austreibung der Wechsler u. Händler aus dem Tempel (Mt 21,12-17; Mk 11,15-19; Lk 19,45-48; Joh 2,13-16)
5 links: Das Opfer der armen Witwe (Mk 12,41-44; Lk 21,1-4)
6 links: Der Zinsgroschen oder die Frage nach der kaiserlichen Steuer (Mt 22,15-22; Mk 12,13-17; Lk 20,20-26)
7 links: Jesus im Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen oder Jesus gibt sich der Samariterin als Messias zu erkennen (Joh 4,1-26)
8 links: Jesus rettet den zweifelnden Petrus vor dem Ertrinken oder der Gang Jesu auf dem Wasser (Mt 14,22-33; Mk 6,45-52; Joh 6,1-13)
9 Mitte: Die Verklärung Jesu auf dem Berge Tabor (Mt 17,1-9; Mk 9,2-10; Lk 9,28-36)
Die Fresken im Chor haben Bezug auf das Kreuzesopfer, das hier im Altarraum gefeiert wird. Sie haben das Leiden, den Kreuzestod und die Auferstehung des Herrn zum Inhalt.
Ein Kleinod – ein altes, wertvolles Kunstwerk - unserer Kirche ist
der Königheimer Ölberg (Riemenschneider-Werkstatt, 1499),
den wir uns etwas näher betrachten wollen.
Er wurde erst mit dem Neubau der jetzigen 5. Kirche (1752-56) hierher unter die Freitreppe versetzt.
Bei den früheren Kirchenbauten, die von Ost nach West ausgerichtet waren, befand er sich in einem Anbau seitlich der Sakristei. Im Abschlussstein des spätgotischen Gewölbes steht die Jahreszahl der Erstellung 1499, darüber das Wappen der Gemeinde Königheim, die Kanne, mit der Beischrift „kennicken“.
Er stammt aus der Werkstatt des berühmten Bildhauers u. Bildschnitzers Tilmann Riemenschneider, der in Würzburg lebte (1460 – 1531) und zahlreiche Kunstwerke geschaffen hat (z. B. in Rothenburg, Creglingen, Münnerstadt, Bamberg, Würzburg und an vielen anderen Orten).
Zur Thematik der Darstellung:
Die christliche Frömmigkeit im Spätmittelalter betrachtete eingehend den Leidensweg des Jesus von Nazareth. Die biblischen Berichte dienten der Kunst dabei als Vorlage, oft bis in die kleinsten Einzelheiten.
Auf drei Ebenen vollzieht sich das dramatische Geschehen.
Der Künstler folgte weitgehend der Schilderung im Evangelium nach Markus:
„Und sie kamen zu einem Gehöft namens Gethsemani und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hier nieder, während ich bete. Und Petrus, Jakobus und Johannes nahm er mit sich und begann zu erschauern und zu zagen und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Bleibet hier und wachet…“
In unserer Darstellung kniet Jesus mit gefalteten Händen vor Gott, seinem Vater, der ihm in Gestalt eines bärtigen Mannes erscheint, die rechte Hand zum Segen erhoben, in der linken die Weltkugel haltend. In tiefem Ernst geschieht die Zwiesprache der beiden.
Angst und flehentliches Bitten sind hervorragend vom Künstler dargestellt. Jesus, der Menschensohn, schaudert zurück vor dem qualvollen Tod, der ihm bevorsteht. Der Ausdruck des Gesichtes lässt die flehentliche Bitte an seinen Vater erkennen, die ihn sagen lässt: „Abba, Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“
Auf der zweiten Ebene der Ölbergdarstellung, von Jesus aus gesehen etwas in den Hintergrund gerückt, sitzen die drei ausgewählten Jünger schlafend an eine Felsgruppe gelehnt.
Links der ältliche Petrus mit dem Schwert, in der Mitte der jugendliche, bartlose Johannes mit dem Buch und rechts der männliche Jakobus.
Im Hintergrund sind bereits die Häscher zu sehen, die durch das Tor im Flechtzaun herannahen. Judas, der Verräter, in der Mitte des Tores und mit dem Beutel mit den 30 Silberlingen auf seiner Brust erkennbar, wird vom dem Fähnrich mit Handbewegung aufgefordert, den Gesuchten zu zeigen. Auch ein Pharisäer ist links des Tores festzustellen. Wie häufig auch bei anderen Ölbergdarstellungen lässt Riemenschneider einen Schergen über den Zaun klettern, begierig den Verratenen gefangen zu nehmen. Auf dem Dach des Tores sitzt ein großer Vogel, der seinen Schnabel wetzt, wohl ein Symbol für Verlegenheit und Nichteinverständnis mit dem Verrat.
Typisch für Riemenschneider sind die vornehme Schlichtheit der Faltengebung, das gelockte Haar und die niedrige Stirn der Köpfe sowie die mandelförmigen Augen. Die Figuren lassen durch die Feinheit ihrer Ausführung sogar die Blutadern erkennen. Auch kleines Getier, eine kriechende Eidechse, Schlange, Schnecke, ein Vogel, ist liebevoll zwischen den schlafenden Jüngern dargestellt. Sehr stimmungsvoll ist die abendliche Beleuchtung des Denkmals.
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"An Tauber und Main"
